Reolink Kamera RLC-811A mit 4k Auflösung, Exkurs zur RLC-810A

Nach rund 8 Jahren Einsatz ist die erste meiner Vivotek Kameras gestorben. Es musste schnell ein Ersatz her; Die Reolink RLC-811A ist eine gute Kamera, von der ich mir allerdings mehr „Basics“ erwartet hätte. Das Gerät habe ich aufgrund der guten Rezensionen gekauft.

*Aus Datenschutzgründen werde ich hier keine Kamerabilder zeigen, sondern mich auf Worte beschränken….

In den vergangenen Jahren hat sich in Sachen Bildqualität von IP-Kameras einiges getan.
Ich bin immer noch mit meinen alten Vivotek IB8369 zufrieden, obwohl ich jetzt einen Vergleich zu einem aktuellen Gerät eines anderen Herstellers habe und die offensichtlichen Schwächen der alten Teile durchaus auch sichtbar sind:
Trotz aller aktivierten Möglichkeiten zur Bildverbesserung, zeigt sich z.B. ein relativ starkes Bildrauschen bei Nacht.
Sie haben aber immer noch gewisse Vorteile:

  • Mechanisch durchdacht. Im Laufe der Jahre gab es bisher nie(!) ein Thema mit Feuchtigkeit oder sonstigen Umwelteinflüssen.
  • Keine(!) lästige Kabelpeitsche und die damit (fast) zwangsläufig verbundene Anschlussdose. Ein Stecker LAN und POE, fertig.
  • Auch browserkompatible Streams konfigurierbar

Zur Reolink RLC-811A

Da ich eine Kamera lediglich als simplen „Bild-Lieferant“ verwende, gehe ich in meinem Beitrag nicht tiefer auf die Bewegungs-, Personen- Fahrzeug- und Tier-Erkennung ein.
Diese sollen lt. verschiedener Rezensionen sehr gut sein.
Auch bietet die Kamera Optionen für Email-Alarmierung, „Push Notification“, lokale Speicherung auf Micro-SD und FTP-Upload. Die Audio-Funktionen mit „Lautsprecher“ und Mikrofon sind meiner Ansicht nach als nettes Gimmick zu sehen, ebenso die Sirenen-Funktion. Für letzteres könnte ich mir noch sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten vorstellen, wenn man sie mittels API ansprechen kann (Muss ich noch eruieren). Über die Konfiguration kann man die Sirene auf jeden Fall so einstellen, dass sie bei Bewegung zu jodeln beginnt. Das könnte allerdings die Nachbarn schon ein kleines Bisschen stören 😉 Immerhin kann man einen Zeitplan dafür einrichten….

Der Lautsprecher ist aufgrund der Gehäuseabmessungen entsprechend klein und kann bei normalen Umgebungsgeräuschen schon auf kurze Distanz kaum noch gut verständliche Sprache ausgeben.

Die Stärken der Reolink RLC-811A in meinem Anwendungsfall

Die Bildqualität!
Hiermit meine ich nicht die 4k-Auflösung, sondern die tatsächliche Güte der gelieferten Bilder.
Schon bei Tageslicht ist die Qualität wirklich sehr gut, aber bei Nacht ist die Güte im Vergleich zu den alten Kameras herausragend. Im Nacht-Modus sieht man auf den alten Kameras deutliches Bildrauschen. Die Reolink „bügelt“ das quasi komplett weg.
Auch die Ausleuchtung der IR-LEDs ist ausreichend gut.
Ich bin davon ausgegangen, dass die Ausleuchtung im IR-Modus aufgrund des zusätzlichen Strahlers deutlich eingeschränkt ist und habe zwar wahrgenommen, dass in den technischen Daten „größere“ LEDs angegeben sind, das aber eher als „Marketing“ abgetan.

Stichwort „Strahler“:
Der ist gar nicht soooo schlecht und per Konfiguration „grob“ einstellbar:
Helligkeit, „Aus“, „Zeitgesteuert ein/aus“ und „Intelligent“.
Eigentlich hat die Reolink – wie bereits erwähnt- schon eine eingebaute „einfache“ IVA (Intelligente Video Analyse) und kann (relativ zuverlässig) Personen, Autos und Tiere unterscheiden.
Das macht sich der Strahler im Modus „Night smart“ („Intelligent“) auch zunutze:
Sobald die Kamera ein Objekt der o.g. Arten (selektierbar) erkennt, schaltet sie den Strahler für einige Sekunden ein und liefer auch bei Nacht ein brauchbares farbiges Bild.

Die Schwächen der Reolink RLC-811A in meinem Anwendungsfall

Ganz klar, mit Sicherheit auch für Andere: Die Kabelpeitsche!!!
Die ist ja branchenweit üblich, weil es viel billiger und einfacher ist zu produzieren, das Gehäuse-Design ist einfacher und außerdem:
Man generiert mit der Anschlussdose noch mal Zusatzgeschäft!!!
Die „original“ Reolink Anschlussdose B10 (Passend zur Kamera-Serie) kostet
bei Amazon satte ~32EUR
Im Gegensatz dazu ein 2er Pack Universal-Dosen – ebenfalls aus Aluguss –
kostet ~26EUR, die liegen hier neben mir unter dem Schreibtisch und warten auf ihren Einsatz. Ich werde in Form eines Nachtrags berichten, falls die Bohrungen nicht passen sollten.

Die Kamera liefert Streams ausschließlich h.264 oder h.265 encodiert.
Browserfreundliches mjpeg geht nicht ohne Umwege (hierzu später mehr)
Die eingeschränkten Möglichkeiten, die Video-Streams zu konfigurieren sind nicht gerade toll und schon fast als ärgerlich zu bezeichnen.
Über die API kann man zwar 3 Streams und das jeweilige JPEG-Snapshot dazu abrufen,
aber (eingeschränkt!) konfigurierbar sind nur 2 davon.


Profil „High“ / „Clear“:
Hier kann man zusätzlich zu max. Bitrate, Bildwiederholrate und i-Frames (nur!!) 3 Auflösungen einstellen, obwohl es technisch kein Problem wäre mehr anzubieten.

  • 3840×2160 (4k UHD)
  • 2560×1440 (QHD bzw. WQHD)
  • 2304×1296 (???)

Profil „Low“ / „Fluent“:
Hier gibt es nur eine Auflösung: 640×360.
Framerate, max. Bitrate und i-Frame Intervall sind einstellbar.

Dass ich mir allgemein mehr Konfigurations-Möglichkeiten wünschen würde, ist im Prinzip erst mal mein Problem. Die eingeschränkte Auswahl an Stream-Formaten ist auf jeden Fall für mich ein echtes Minus.

Fazit

Trotz der aus meiner Sicht vorhandenen Schwächen, ist die Reolink RLC-811A ein ordentliches Produkt.
Dass ein Video-Bild von der Kamera (wegen der Montage-Position) auf den Kopf gestellt und gespiegelt werden kann, setze ich als Standard voraus und das ist auch gegeben.
Standard sind ebenfalls Privatsphäre-Zonen und „Anti-Flicker“ (Stichwort: Netzfrequenz bei Kunstlicht…)
Ein nicht frei konfigurierbares Wasserzeichen mit dem Markennamen empfinde ich sowohl bei Smartphones, als auch bei Überwachungs-Kameras als sinnloses Feature.
Einige der echten Features der Kamera habe ich zugegebenermaßen nicht getestet, da ich meine Kamera-Bilder ausschließlich mit Zoneminder in Verbindung mit meiner selbst erstellten Objekt-Erkennung einsammele und verarbeite.
Im Bereich der Video-Überwachung braucht es z.B. keine 25, 30 oder gar 50 Frames pro Sekunde und in der Regel auch nicht zwangsläufig UHD-Auflösung. Normales Full HD mit irgend was zwischen 4 und 12 Frames/s reicht oftmals völlig aus und ist deutlich Ressourcen-freundlicher. (Auch das ist mein persönliches „Ding“) 4k-Video-Streams mit hoher Bildwiederholrate mit der dazugehörigen Bewegungs- und Objekterkennung zerren eben etwas an der Rechenleistung, am RAM und auch am Speicherplatz….

Allgemeines

Darstellung von Streams im WEB-Browser:

Nativ können auch aktuelle Browser keine h.264 oder h.265 encodierte Videos ausgeben. Hierzu bedarf es Plugins und / oder aufwändige Javascripts.

Da ich meine Kamera-Bilder – wenn ich sie live betrachte – mit dem Browser abrufe, habe ich mir – bedingt durch den Luxus eines dedizierten Servers im Haus – sehr einfach wie folgt beholfen:

Zoneminder bietet die Möglichkeit, das Kamerabild ohne Schnickschnack und Firlefanz über eine URL abzurufen, wenn man seinen ZM nicht im Internet verfügbar macht, sondern brav alles über VPN-Tunnel erledigt, kann man ein extrem einfaches Passwort für einen User einrichten, der nur „gucken“ darf:

http(s)://[rechnername oder IP]/[zm-verzeichnis]/cgi-bin/nph-zms?mode=jpeg&monitor=[ID des Monitors]1&scale=[skalierung]&user=[benutzername]&pass=[passwort]

Alternative:

Über CGI-Scripte (bash) im Apache-Webserver kann man die benötigten Streams mit ffmpeg (Gibt es notfalls auch als Windows-Binaries: https://ffmpeg.org/download.html)
Es benötigt zwar ein paar Sekündchen „Anlauf“ bis ein Bild kommt, da ffmpeg beim Start des CGI erst mal den Stream von der Kamera abrufen und ein klein Wenig puffern muss, aber man kann dann das Livebild ohne App, Addons und sonstigen Firlefanz auf dem Rechner oder Smartphone im WEB-Browser betrachten. Der Zeit-Versatz ist meist unter 1 Sekunde.

Dieser Blog-Beitrag von „stevethemouse“ hat mir hierbei das HowTo deutlich leichter gemacht.

Aktueller Nachteil, ohne Deep-Dive, ob das lösbar ist:
Wenn man das Broweser-Fenster schließt, beendet das CGI zwar ffmpeg, aber beim Spielen ist mit aufgefallen, dass RAM-Bereiche nicht freigegeben werden.
Ein dauerhaft im Hintergrund laufendes Konvertieren der Streams auf alternativen Wegen ohne spürbaren „Warmup“ mit Python und u.A. openCV ist durchaus denkbar….

Einbindung in Zoneminder:

In den ersten paar Tagen habe ich die Bildquelle als „ffmpeg“ mit ein paar Tuning-Parametern laufen lassen. Das Problem hierbei war allerdings, dass das Live-Bild im ZM mit zunehmender Betriebszeit in der Anzeige immer länger hinterher war:
Nach einem Neustart des Dienstes < 1s, nach 3-4 Stunden Betriebszeit dann schon bis zu 6 Sekunden. –> Unschön!
Außerdem war mir das zu Störanfällig:
Auf meinem Server lufen auch noch andere Tasks, wenn diese dann mal etwas mehr Prozessor-Last erzeugen, führt dies zu Bild-Aussetzern und heftigen Blockartefakten.
Abhilfe:
Einbinden der Kameras als Bildquelle „Remote“ und Abruf der der Snapshots von der Kamera. Zoneminder kümmert sich selbst um die Aktualisierung.

Nachtrag 01.03.2024

Heute werden die kleinen Geschwister Reolink RLC-810A der RLC-811A ankommen.
Ich habe mich aufgrund der spitzenmäßigen Bildqualität bei Nacht dazu entschieden,
etwas aufzurüsten:
1 Kamera die alle paar Wochen mal zickig ist wird in Rente geschickt und als Testobjekt zum Reverse-Engineering genutzt, eine andere (gut funktionierende) Kamera wird gegen die neue ausgetauscht und ergänzt dann das Portfolio.

Nachtrag 18.03.2024, Exkurs RLC-810A

Die RLC-810A Kameras sind ebenfalls seit einigen Tagen in Betrieb, grob zu sagen mit den gleichen „Nachteilen“, wie es bei der RLC-811A der Fall ist. Aber auch diese Kameras sind recht ordentliche Produkte.
Die Bildqualität ist gefühlt (obwohl auch 4k, bei gleichen Einstellungen) ein ganz kleines Bisschen schlechter. Gefühlt! Die Nachtsicht ist trotzdem gut.
Audio hat die 810A „nur“ hörend und es gibt keinen Strahler, der bei Bewegung auf „Bunt bei Nacht“ umschaltet. (Braucht es ja auch nicht wirklich.) Das Gehäuse ist deutlich kleiner, da es ja keinen Lautsprecher etc. gibt. Dafür kosten 2 Stück im Angebot unwesentlich mehr, als eine einzelne 811A…..

Links zu den erwähnten Produkten auf Amazon

Kamera RCL-811A
2er Pack Kamera RCL-810A
Anschlussdose Reolink B10, teuer
2er Pack Anschlussdose universal, kostengünstiger