Vivotek IB8369 – Brauchbares Produkt mit ausgleichbaren Schwächen – Erfahrungsbericht und Tipps

Nachtrag aus 01/2018:
Der ursprüngliche Beitrag wurde von mir 2016 verfasst.
– In der Zwischenzeit ist speziell dieses Kamera-Modell nicht mehr auf der
Hersteller-Seite zu finden und wird auch soweit ich feststellen konnte nicht
mehr supportet.
– Das Nachfolge(?)- Modell ib8369A mit 2MP bietet dem Datenblatt zufolge
die gleichen mechanischen Eigenschaften: IP66, Vandalismusschutz
– Auch bei der ib8369A wurde auf eine lästige Kabelpeitsche verzichtet.

Vorweg genommen:
Video-Kameras ersetzen keine Alarmanlage, sie sind eine sinnvolle Ergänzung.
Sie können auch keinen Einbruch verhindern, bieten aber die Möglichkeit, der Polizei im Fall der Fälle nützliche Infos zur Herangehensweise von Tätern zu liefern und diese ggf. zu Identifizieren. Vor der Inbetriebnahme bzw. Planung sollte man sich über die Rechtslage informieren: Video-Überwachung im öffentlichen Bereich ist den Behörden vorbehalten. Hinweise, dass auf einem Privatgelände Video-Überwachung stattfindet sind ggf. anzubringen.

Seit Februar 2016 habe ich 6 Kameras IB8369 in Betrieb.
Immer wieder passe ich aus Gründen der Optimierung die Konfiguration etwas an,also bis zu einem gut funktionierenden System ist es ein langer Weg (der bei allen CCTV-Lösungen etwas dauert).
Die Kameras sind mit einem 3.6mm Festbrennweiten-Objektiv ausgestattet,
was für einen ausreichend großen Bildausschnitt im Verhältnis zur Größe des Bildsensors sorgt. Auf die Brennweiten-Thematik, Auflagemaß etc. soll an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingeangen werden.

Zunächst sind an dieser Kamera positiv hervorzuheben:

  • Relativ günstiger Preis
  • Schneller, freundlicher und kooperativer Europa-Support
  • Gute Verarbeitung, stabiles Gehäuse
  • Einfache Montage, auch für technisch weniger versierte machbar
  • Gute Bildqualität
  • Viele Möglichkeiten die Streams und Bild-Parameter auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen
  • Die feucht-kalten Umgebungsbedingungen von Anfang Februar haben den Kameras nichts ausgemacht, es kam noch nie zum Beschlag an der Linse oder ähnlichem. Auch bei Sommertemperaturen und direkter Sonnen-Einstrahlung auf den Korpus gab es bisher keinerlei Ausfälle.
  • ONVIV-kompatibel
  • Energieversorgung via POE
  • Ausreichend guter Nachtsicht-Modus, Personen sind auch identifizierbar.

Negativ fällt auf:

  • Beim Wechsel Zwischen Tag-/Nachtbetrieb löst immer die Bewegungs- UND Sabotageerkennung aus.
  • Die Sabotageerkennung ist wenig brauchbar. Sie löst auch bei starker Änderung der Lichtverhältnisse und bei stärkerem Regen in der Dunkelheit aus.
  • Die Bewegungserkennung ist extrem rudimentär, es wird anscheinend ein „simpler“ Pixel zu Pixel Vergleich gemacht; Stärkerer Regen und Schnee lösen in der Dunkelheit die Bewegungserkennung aus. Es fehlen an dieser Stelle z.B. die Funktion der Richtungs- und Objekterkennung (diese Funktionen gibt es teilweise sogar in Freeware-Produkten) Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der recht schwachen Hardware (z.B. RAM: 256MB) geschuldet, welche sicher mit derartigen Funktionen überfordert wäre.
  • Sich änderndes Sonnenlicht auf dem Gelände wird ebenfalls durch die Bewegungserkennung detektiert.
  • Es sind lediglich 3 Events mit je einem Trigger möglich, die liegt wohl ebenfalls an der recht begrenzten internen Speicher-Ausstattung

Support:
Meine erste Kontaktaufnahme mit dem Support war betreffend des Wechsels zwischen Tag/Nacht und der damit verbundenen Auslösung (Motion & Tamper). Der Mitarbeiter hatte bestätigt, dass dies so ist. Meine Vorschläge, Änderungen für das nächste Firmware-Release an die Entwickler zu senden, hat er positiv bestätigt. Einen Zeitrahmen konnte er allerdings nicht nennen. Meiner Anforderung von weiteren Dokumenten zur Kamera-internen Script-Sprache kam er innerhalb von ca. 20 Minuten nach.

Mitgelieferte Software:
Die mitgelieferte Software ist mehr oder minder ein Aufzeichnungs- und Recherche-Werkzeug und bietet z.B. keine eigene Bewegungserkennung oder nennenswerte Erweiterungen der eigentlichen Kamera-Funktionen.

Fazit:
Die Wechsel Zwischen Tag-/Nachtbetrieb habe ich durch etwas Programmier-Arbeit auf dem Mailserver in den Griff bekommen, zumindest klappt die Unterdrückung der Benachrichtigung per Mail auf diesem Wege.
Derzeit teste ich mehrere kostenfreie Softwareprodukte für die Bewegungs-, sowie Sabotageerkennung und nehme in Kauf, dass wir mehrfach Alarmiert werden, wenn sich etwas auf unserem Grundstück tut. Hier gibt er sowohl für Linux als auch für Windows ansprechende Programme mit guten Funktionen.
Dies entspricht allerdings nicht dem ursprünglichen Plan, die Video-Überwachung ohne Rechner zu erledigen.

Für Linux-Lösungen ist ein Raspberry Pi 2 in der Regel schon ausreichend dimensioniert, wenn man sich im Rahmen von 1-4 Kameras bewewgt. Es muß demnach nicht unbedingt die große Server-Lösung sein, was den Stromverbrauch und die Anschaffungskosten im Rahmen hält.

Wer eine High-End Lösung ohne den Zwang zum selbst „Basteln“ sucht, sollte grundsätzlich auf teurere Produkte von etablierten Herstellern aus der Sicherheitstechnik zurückgreifen. Diese bieten teilweise bereits in der Kamera IVA-Funktionen wie Objekterkennung und -verfolgung.

Fachlich versierte Anwender mit Programmiererfahrung sind mit der IB8369 als mittelpreisigem Produkt wirklich gut bedient. Die Kamera tut was sie soll: Sie liefert zuverlässig gute Bilder.

Tipps:

  • Laden Sie Alarmbilder wenn möglich sofort auf einen privaten WEB-Server hoch, somit ist sichergestellt, dass ein eventuell erfolgreicher Täter nicht auch noch die Beweis-Bilder mitnehmen kann.
  • Sichern Sie die Kameras mit Passwörtern, auch wenn nur Sie Zugriff auf Ihr Netzwerk haben
  • Wenn Sie bereits einen File-Server oder eine NAS in Ihrem Netzwerk betreiben, können Sie auf die Anschaffung großer Speichermedien für die Kameras verzichten. Kleine Speichermedien sind dann ausreichend um eventuelle kurze Netzwerk-Unterbrechungen während eines Alarmes zu überbrücken.
  • Schalten Sie die Kameras über einen separaten Switch mit den entsprechenden Sicherheits-Funktionen auf Ihr Netzwerk auf und aktivieren Sie diese auch, denn: Bei der bestimmungsgemäßen Verwendung einer Outdoor-Kamera legen Sie ein Netzwerk-Kabel in einen frei zugänglichen Bereich!
  • Achten Sie darauf, daß der POE-Switch ausreichend Strom für die Kameras liefern kann, oder verwenden Sie einzelne POE-Injektoren.
  • Eine „kleine“ USV für Netzwerk und Kameras ist sinnvoll um vor einem gezielt verursachten Stromausfall gewappnet zu sein.
  • Positionieren Sie die Kameras so, dass sich möglichst jede Kamera im Blickwinkel einer anderen Kamera befindet 😉

Produkt-Link: Vivotek IB8369

Nebenbei bemerkt,

es können durchaus auch schöne und amüsante Shots bei der Video-Überwachung anfallen: