Die OMVI 3i PoE ist nicht mein erstes Reolink-Produkt, mittlerweile habe ich die Kameraüberwachung komplett auf Reolink Kameras als Bildquellen umgestellt und verwendete bisher lediglich die Modelle RLC-811A und RLC-810A. In meinem Bekanntenkreis befinden sich Profis aus dem Bereich Videoüberwachung, welche im privaten Umfeld Reolink-Kameras wegen ihres guten Preis-Leistungs-Verhältnisses verwenden.
Die OMVI 3i liegt mir zum Test vor und ist momentan anscheinend noch so neu, dass auf der Reolink-Website zum Zeitpunkt diese Beitrags noch kein entsprechendes Handbuch zum Download gibt. Aber man kann sie immerhin schon bei Amazon kaufen 😉
Eine gedruckte Schnellstart-Anleitung und ein Booklet liegen der Kamera ja bei.
Die Kamera wurde erstmals im Janunar 2026 auf der CES in Las Vegas vorgestellt.
Generell ist mein Eindruck, dass Reolink derzeit im bezahlbaren Consumer-Segment weiter Marktanteile erringt. Die Bildqualität ist bei allen Kameras die ich einsetze aus meiner Sicht sowohl bei Tag, als auch bei Nacht sehr gut.
Erste Einrichtung mit der Reolink-App am Smartphone oder mit der Windows-Software von Reolink:
Wie bei allen Reolink-Kameras erledigt man auch bei der OMVI 3i die Erst-Einrichtung am einfachsten mit der Reolink-App am Smartphone oder an einem Windows-PC. Sobald sich die Kamera nach dem Booten über DHCP eine IP-Adresse im lokalen Netz geholt hat und man die App öffnet, findet man sie dort zur Erst-Einrichtung; Man vergibt ein Admin-Passwort und schon kann man per App auf der Kamera herum werkeln. Die App an sich ist meiner Ansicht nach selbsterklärend. Da ich meine Kameras vorwiegend ohne die App und ohne externe Push-Dienste betreibe, vergebe ich im Gerät immer zuerst eine feste IP-Adresse. Mein zweiter Schritt ist die Überprüfung mit der App, ob es einen Firmware-Update gibt: Ja, den gibt es 🙂
Die Firmware-Version 3.2.0.6443_2605092168 wurde über die App installiert.
Danach muss wenn man wie ich, den Zugriff auf die Kamera per http / https, sowie RTSP-Streams etc. benötigt, dieses in der „erweiterten“ Netzwerk-Konfiguration über die App freigeschaltet werden.
Danach kann man sich per Browser mit der Kamera verbinden und dort die Feineinstellungen vornehmen. Das ist mir persönlich die angenehmste Vorgehensweise.
Zugriff auf die (RTSP-)Streams:
Wer die Reolink-Produkte mit einem Kamera-Teil kennt, kommt schnell zum Ziel. Die URL für die „Hauptkamera“ (Panorama) ist standardmäßig die gleiche wie bei Allen anderen Reolink:
rtsp://BenutzerName:Passwort@IPAdresseDerKamera:554/Preview_01_main
Für die „PTZ-Kamera“ verwendet man:
rtsp://BenutzerName:Passwort@IPAdresseDerKamera:554/Preview_02_main
*Ein kleiner Exkurs zu VLC:
Wenn man mit VLC die Streams testen will und sich wundert, dass man nur ein Standbild bekommt, ist möglicherweise die Framerate zu niedrig, damit VLC in den Standard-Einstellungen auch merkt, dass es sich um einen „lebenden“ Video-Stram handelt.
Das ist mir beiläufig aufgefallen, weil mir für die Video-Analyse und -Alarmierung 2 Bilder pro Sekunde völlig ausreichen und ich auf der Panorama-Kamera schon 2fps und auf der PTZ-Kamera versehentlich noch 20fps eingestellt hatte.
Auflösung, Bildqualität und Nachtsicht:
Die Doppelobjektiv-Kamera liefert eine maximale Auflösung von 5120×1920 Pixel, die PTZ-Kamera die bei 4k Kameras gewohnten 3840×2160 Pixel. Die niedrigeren Auflösungen interessieren mich insofern nicht, dass ich bei den anderen Reolinks zwecks schnellerer Verarbeitung die Auflösung verringern, bzw. den Substream nutzen wollte:
Sobald man die Auflösung verringert, änderte sich in der Vergangenheit auch der Bildausschnitt. Sprich: Der effektive Überwachungsbereich wurde kleiner. Das scheint bei dieser Kamera zwar nicht der Fall zu sein, aber ich habe mein ganzes System sowieso auf 3840×2160 „getrimmt“. Für die 180 Grad 5120×1920 muss ich mir noch etwas einfallen lassen 🤔
Ich gehe an dieser Stelle bewusst nicht auf die heilige Kuh „Anzahl Megapixel“ der Bild-Sensoren ein; Das was Hinten raus kommt ist wichtig! Wir Alle kennen das von den Smartphones: Eine 100MP Kamera muss nicht zwangsläufig eine bessere Bildqualität liefern, als eine 50MP Kamera. Hier überzeugt mich die OMVI 3i genau so wie die anderen – mir bekannten – Modelle. Die Kamera-Bilder sind bereits in der Standard-Einstellungen gestochen scharf und klar. Man muss lediglich noch etwas Feintuning für die persönlichen Bedürfnisse betreiben.
Die Nachtsicht
ist als sehr gut zu bezeichnen! Man kann beinahe kein Bildrauschen erkennen. Die IR-LEDs erreichen die angegebene Reichweite in etwa,
was bedeutet, dass auch etwas weiter entfernte Objekte nachts gut erkennbar sind.
Um eine derart gut Nachtsicht hin zu bekommen muss man mit der Hard- und Software schon „tricksen“ (Stichwort: 3D-DNR). Das führt dazu, dass schnell(er) bewegende Objekte gegebenenfalls etwas Schlieren auf einem Einzelbild hinterlassen. Im Stream fällt es wenig auf;
Das ist einfach so, dieses Thema habe ausnahmslos alle Kamera-Hersteller und ich finde Reolink hat das ganz gut im Griff 😉
Die Farbsicht bei Nacht geht natürlich mit den eingebauten weißen Strahler-LEDs einher.
Das Funktioniert technisch sehr gut, richtiges Bildrauschen macht sich erst in den Bereichen bemerkbar, in denen die LEDs nicht mehr ausleuchten können.
Ich habe es allerdings abgeschaltet, da sich meine Regierung beschwert hat, dass sie von dem hellen Licht das durch das Schlafzimmer-Fenster herein scheint aufwacht und es darüber hinaus beunruhigend findet, wenn sie mal über Nacht alleine im Haus ist und dauernd im Außenbereich Licht an und aus geht. (Die RLC-811A hat das Feature ebenfalls).
Da die Strahler anscheinend mit der eingebauten Bewegungserkennung (und den Smart AI Funktionen??) gekoppelt sind, muss man sich hier entscheiden: Hohe Empfindlichkeit bei Bewegung und damit auch sog. Falschauslösungen, oder: Man bekommt etwas „Wichtiges“ ggf. nicht mit. Ich verzichte also auf „bunt wenn dunkel“.
Die integrierten Funktionen
für Bewegungserkennung, Personen-, Fahrzeug- und Tier-Erkennung nutze ich ich, wie beschrieben nur rudimentär um die integrierten „Strahler“ zu triggern und für den Test, ob das Produkt für mich taugt. Ansonsten ist eine Kamera nur ein Bild-Lieferant für mein System.
Die Cloud-Funktionen nutze ich sowieso nie!
Demnach kann ich leider Nichts über die Push-Funktionen berichten.
Wenn man seine Kameras im lokalen Netz mit der App fertig eingerichtet hat, funktioniert die App auch über einen VPN-Tunnel (entsprechende Bandbreite vorausgesetzt) gut.
Email-Alarmierung und FTP-Upload verrichten ihren Dienst wie erwartet.
Die Kamera kann schon echt was, aber der Grund für meine „Degradierung“ zum reinen Bild-Lieferanten liegt darin, dass ich bei meinem selbst programmierten System z.B. sehr einfach bestimmen kann, dass dieser eine zum x-ten Mal falsch als Mensch erkannte Baum eben keinen Alarm auslöst.
Die automatische „Verfolgung“ mit der PTZ-Kamera
finde ich gut! Deshalb sind die gerade beschriebenen Funktionen auch in der Kamera aktiv, lösen aber keine Alarme nach „außen“ aus.
Sobald sich z.B. in meinem Test-Setup ein Mensch in das Blickfeld der „Panorama-Kamerea“ bewegt, fängt der „Ball“ darunter an, sich zu bewegen. Nicht hektisch, sondern schön zielgerichtet befindet sich die Person dann im Bild-Zentrum der „PTZ-Kamera“.
Was natürlich schwierig wird, sind mehrere Personen. Da hat man ja selbst genug zu tun:
Wenn z.B. 2 Personen beieinander stehen und eine bewegt sich weg, folgt die Kamera dieser Person und „ignoriert“ die Person, die sich nicht bewegt hat. Wenn sich beide Personen bewegen, habe ich den Eindruck, dass die Kamera bei der Person „bleibt“, die sich zuletzt bewegt hat; DAS bis ins letzte Detail auszutesten ist allerdings eine Sisyphos-Aufgabe, die ich mir nicht aufbürden möchte.
–> Funktioniert recht gut, macht Freude!
Die PTZ-Steuerung
via App und Browser-Bedienung funktioniert auch gut.
Der automatische „Kontrollgang“ ist ordentlich gelöst.
Das „Image-Stiching“ mit der Dualobjektiv „Panorama-Kamera“
Ist auch gut gelöst, man bemerkt es im Außenbereich so gut wie gar nicht.
In meinem Test-Setup im Büro sind die Abstände deutlich kürzer als im Außenbereich und man erkennt an der „Verbindungsstelle“ der beiden Bilder einen extrem kleinen Falz an der Kante zwischen Wand und Decke und das auch nur, wenn man genau hin schaut. Die Kamera hat auch eine Möglichkeit die beiden Bild-Teile etwas gegeneinander zu verschieben und den Abstand einzustellen. Das Ganze sieht aber schon in der Standard-Einstellung gut aus….
Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten!
Folgende Punkte gefallen mir nicht:
- Die Kabelpeitsche! Das machen aber mittlerweile leider (fast??) Alle Hersteller so. Zumindest bei den sog. Consumer-Produkten. Man braucht immer eine Dose oder ein entsprechend großes Loch in der Wand um die Anschlüsse zu verstauen. Eleganter (und meiner Meinung nach nicht zwingend teurer in der Produktion) ist die Lösung, das PoE-Kabel inklusive Stecker in die Kamera einführen zu können. Das würde auch den Manipulations-Schutz erhöhen.
- Die doch recht stark eingeschränkten Optionen bei der Konfiguration der Streams.
Hier sollte es einen Experten-Modus geben!
Was ist denn, wenn ich bei der PTZ-Kamera 1920×1080 brauche?
Oder statt H.265 in 4k Auflösung H.264??? (Der Substream ist z.B. fest auf H.264 eingestellt, aber kann nicht auf eine andere Auflösung eingestellt werden)
Dann muss man OOTB denken und seinen Stream auf einem Rechner z.B. mit ffmpeg in H.265 „ablutschen“ und mit H.264 auf einem anderen Port wieder herausgeben.
In jedem Fall ist es für mich unverständlich. Es würde ausreichen, lediglich Kombinationen, die beispielsweise zum Absturz der Kamera führen könnten, mit Hinweisen zu versehen.
Oder auch „Wenn Du DAS so haben willst, muss aber die KI-Funktion xyz deaktiviert werden“ (Wahrscheinlich hat der SOC bei bestimmten Kombinationen zu viel Arbeit um den KI-Kram zu bedienen) - Der automatische „Reboot“ ist nicht umsonst standardmäßig aktiviert:
Nach ~8 Tagen Dauerbetrieb ohne Reboot hat sich die Kamera leicht schräg verhalten und des Öfteren mal das Objektiv der der PTZ-Kamera ganz zum Anschlag nach hinten gedreht, obwohl es keinen Grund dafür gab. Das war nach einem Reboot wieder OK, deshalb empfehle ich den automatischen Reboot aktiv zu lassen.
Fazit:
Alles in Allem liefert die OMVI 3i eine solide Leistung ab. Durch die 180 Grad Hauptkamera kann man sich an schwer einsehbaren Stellen EVENTUELL den Einsatz mehrerer Kameras sparen, oder hat einen anderen Vorteil. Für eine Montage z.B. unter der Traufe ist die Kamera nicht unbedingt die erste Wahl, wenn man nicht zusätzlich mit selbst gebauten Halterungen arbeiten möchte.